Buchbesprechung

Maico - Eine schwäbische Motorradfabrik
Die frühen Jahre 1926 - 1958

von Manfred Ratzinger

 

Was lange währt, wird endlich gut. Selten hat eine alte Binsenweisheit den Sachverhalt so gut beschrieben wie bei diesem Buchprojekt von Manfred Ratzinger. Die großen Jahre von Maico beim MotoCross sind umfassend in etlichen Publikationen beschrieben worden. Zu den Anfängen und frühen Jahren gab es bisher nur wenige Zeilen und kaum Fotos. Also hat sich der Autor die Aufgabe gestellt, die frühen Jahre von Maico ab der Gründung des Fahrad-Komponenten-Vertriebs im Jahr 1926 bis zum Konkurs 1958 und der anschließenden "Renaissance" durch den Behördenauftrag der Maico M 250 B umfassend zu dokumentieren.

Eine derart sorgfältig beschriebene Chronik mit extrem umfangreicher Bebilderung lässt sich selbstverständlich nicht kurzfristig realisieren. Viel Zeit musste investiert werden, um bislang nie veröffentlichtes Foto-Material aufzustöbern und für die Publikation vorzubereiten, viele Interviews mit den noch lebenden Zeitzeugen und ihren Nachfahren mussten geführt und in Text umgesetzt werden.

Die wenigen, die von dem Projekt wussten, waren der Meinung, dass es bis zum Erscheinen des Buchs "noch etwas dauern" würde. Doch es gab ein Zeitziel: das 100jährige Jubiläum von Maico, das mit dem alle zwei Jahre veranstalteten Dorffest im Pfäffingen gefeiert werden sollte.

www.classic-motorrad.de hat selbstverständlich dieses Jubiläum mit einer Fotogalerie gewürdigt, und als kleines Highlight dieser Feier hat es Manfred Ratzinger geschafft, sein Buch auf den Markt zu bringen und in Pfäffingen zum Kauf anzubieten. Übrigens hat er sich ziemlich verschätzt bei der Planung der mitgebrachten Exemplare: Am frühen Nachmittag des 13.09.26 hatte er alle vorhandenen Bücher verkauft, und die Nachfrage war ungebrochen.

An dieser Stelle können wir nur staunend bemerken, welch umfangreiche Bebilderung durch die jahrelange Vorarbeit "zutage gefördert" wurde, die weitgehend bisher nirgendwo sonst publiziert worden ist. Zudem gibt es eine große Menge an ausgezeichneten Farbfotos, die damals aufgrund der damit verbundenen Kosten kaum in Dokumentationen und in der Werbung eingesetzt wurden.

Die Modellpalette von der ersten motorisierten Maico mit dem 60 ccm-Konfektions-Motor von ILO bis zur "Einheits-125er" wird lückenlos dargestellt, und das gilt natürlich auch für die Nachkriegsmodelle. Der Entwicklung des Maico-Mobils, der Taifun und der Maicoletta sind eigene Kapitel gewidmet mit nun bereits gewohnt informativer Bebilderung. Natürlich kommt auch die Darstellung der Maico-Fahrräder über den Verlauf einiger Jahrzehnte nicht zu kurz, schließlich erfolgte der "Eintritt in die Welt der Fahrzeuge" bei Maico (wie auch bei vielen anderen Firmen) über die Fahrrad-Technik.

Übrigens, vermutlich gehörte Maico zu den Pionieren beim Einsatz des kleinen ILO-Motors im Rahmendreieck. Denn der Motor war ursprünglich für die Montage auf dem Gepäckträger des Fahrrades konzipiert (im Volksmund: "Arschwärmer"). Später gab es auch noch eine Version zur Montage vor dem Lenkkopf, für Vorderrad-Antrieb.

Viel Aufmerksamkeit wurde verwendet, um die Personen umfassend vorzustellen, die Maico zu so einer besonderen Firma in der Motorrad-Szene gemacht haben. Das waren nicht nur Wilhelm und Otto Maisch, deren jüngste Schwester Gertrud (die mit einer F 100 in den dreißiger Jahren weite Touren unternahm), Marianne Single, die es von der Chefsekretärin bis zur Leiterin der Sportabteilung schaffte, natürlich Uli Pohl, in den Boomjahren geradezu die "technische Seele" von Maico, Willy Tetzlaff, der den ersten eigenen Maico-Motor der M 125 entwickelte, Fritz Fischer, der den Taifun-Twin konzipierte, und nicht zu vergessen Hans Hinn, unser lieber Freund, der leider am 24.09.26 verstarb.

Was an dieser Stelle nun endlich noch betont werden muss: Diese erstaunliche Menge an Fotos und Grafiken würde bei den üblichen Verlagen nur zur Ablehnung des Projekts führen, weil damit die Kosten-Kalkulation, die natürlich zu üblichen Profiten führen soll, gefährdet wäre. So etwas lässt sich nur im Eigen-Verlag realisieren.

www.classic-motorrad.de gratuliert Manfred Ratzinger für seine wertvolle, erfolgreiche Publikation und deren Umsetzung in eigener Verantwortung! Ein "Muss" für alle Maico-Fans.

Abschließend noch der Hinweis, dass auch das Bergcafé in "Reuschde" (heute: 72119 Ammerbuch-Reusten) in die Liste der erwähnenswerten Details der Maico-Geschichte aufgenommen wurde.

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Schließlich handelt es sich bis heute um einen Treffpunkt der Maico-Fans und damals der Maico-Mitarbeiter. Allerdings trafen sich dort auch noch ganz andere "Gruppen", über die wir hier ganz sicher nicht berichten!

Stattdessen danken wir Manfred Ratzinger für seine jahrelange Arbeit an seinem Buch!


 






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Text: Karl-Heinz Bendix, Fotos: Karl-Heinz Bendix, Manfred Ratzinger


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