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Seit 12. März 2021 ist das Zweiradmuseum Neckarsulm wieder geöffnet, allerdings mit Einschränkungen. Wer die Sonderausstellung „Meister aller Klassen“ bisher nicht besuchen konnte, hat jetzt bis 1. Mai 2021 dies nachzuholen und die Rennlegenden auf zwei und drei Rädern aus den Jahren 1960 bis 1985 vor Ort in Augenschein zu nehmen. Nähere Infos: www.zweiradmuseum.de |
Zur Ausstellung
Nicht nur PS-Fans werden begeistert sein, denn die Zeit vor der MotoGP, vor „Il Dottore“ Rossi und den Aprilias wurde beherrscht von Motorradrennen in fünf Hubraumklassen und einer Vielzahl verschiedenster Marken. Das Deutsche Zweirad- und NSU-Museum präsentiert seltene technische Zeitzeugen einer Epoche, in der waghalsige Männer in schwarzen Lederkombis und weißen Halbschalenhelmen auf ohrenbetäubend brüllenden Maschinen um den Sieg rangen. So wird mit der originalen Vierzylinder- “Honda“-Werksrennmaschine (1964) des 6-fachen Weltmeisters Jim Redman eine Legende des Motorradrennsports zu sehen sein. Daneben gibt es den allerersten „Yamaha TD“-Production Racer, der jemals ein Rennen in Europa gewann. Eine Kawasaki KR 250 wie die des 5-fachen Weltmeisters Toni Mang lässt die Herzen ebenso schneller schlagen wie das „König“-Vizeweltmeistergespann von 1973. Experimentelle Rennmotorräder des französischen „Elf“-Teams, die legendären Langstreckenrennmaschinen von „Honda“ des Eckert-Teams und Graeme Crosbys „Suzuki“ sowie Helmut Dähnes Formel 750-“BMW“ zeugen von einer aufregenden Zeit des Motorradrennsports. Zu sehen ist zudem das Werk einer genialen Konstrukteursgemeinschaft – die 4-Zylinder „URS“ des Helmut Fath aus dem Odenwald – sowie weitere mutige Versuche wie die „FKS“ oder die „SMZ“, die auch Dieter Braun fuhr. In der Sonderausstellung ist erfahrbar, wie sich die europäische Motorradwelt in den fünfzehn Jahren seit Kriegsende komplett veränderte. Das waren die Jahre, in denen Motorradfirma nach Motorradfirma vor dem Autoboom kapitulierte und vom Markt verschwand. Hand in Hand damit dünnte sich die Präsenz der großen Marken aus, die wenige Jahre zuvor Rennsportgeschichte geschrieben hatten. Es blieb wenigen Unternehmen und vielen Privatfahrern mit Eigenengagement überlassen, ihren Sport am Leben zu erhalten, ehe japanische Firmen zeigten, dass die Leistungen der japanischen Rennmaschinen ins scheinbar Unermessliche wachsen können. Ein Technikrüsten begann: Infernalisch kreischende und oft wenig berechenbare Zweitakter erkämpften ihre Dominanz gegen markerschütternd röhrende mechanische Viertakt-Wunderwerke mit immer ausufernderen Zylinderzahlen. Nach und nach hielt individualistische Gestaltung an Helmen und Rennkombis Einzug und grellbunte Werbeträger nutzten jede freie Fläche an Mensch und Maschine. Der 6-fache Weltmeister Jim Redman fasst es prägnant zusammen: „Die Zeiten waren so einzigartig, weil es keine Einschränkungen wie heute gab“. Die Sonderausstellung zeigt mit den technischen Zeugen der Zeit von 1960-1985 einen breiten Überblick über zwei Jahrzehnte des Motorradrennsports und lässt jedes Motorradfahrerherz höher schlagen.
Exponate der Sonderausstellung |
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Katalog zur Ausstellung Manfred Ratzinger und Deutsches Zweirad- und NSU-Museum Neckarsulm ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Fotos und Bildrechte Jürgen Häffner, Neckarsulmer Museen ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Dank an Helmut Dähne, Walter Deisinger, Matthias Farwick, Karl Hübben, Jürgen Kießlich, Anton Mang, Herbert Rittberger, Werner Schwärzel, Harald Täger, Gerhard Waibel, Roland Weiss, Manfred Wolla |
Weitere Infos: www.zweirad-museum.de |
- Details
- Geschrieben von: Jochen Bangert
- Kategorie: Stories