|
Neckarsulm. Mit der neuen Firmierung als Deutsches Motorradmuseum haben Natalie Scheerle-Walz und Sven Heimberger gleich erneut eine Sonderausstellung auf die Räder gestellt. Die hat dieses Mal mit „Made in Japan“ die Nippon-Bikes der Big Four aus dem Land der aufgehenden Sonne im Visier.
Wenn man sich mal vor Augen führt, dass alleine das Programm von Suzuki im Jahre 1980 33 verschiedene Modelle umfasste, ist vorstellbar, wie schwierig es ist, für die Zeit von 1980 bis 1995 eine Präsentation zu erstellen, die vom kleinvolumigen Funbike bis zur schwergewichtigen 6-Zylinder exemplarisch die ganze Bandbreite an Zweirädern der Inselnation im Pazifik darstellt. Erschwerend, wenn dann dazu auch die Rennmaschinen oder Technologieträger noch mit berücksichtigt werden sollen.
Doch das ist bestens gelungen. Schon am Eingang weckt eine Honda CBX in individueller Aufmachung das Interesse fürs Thema und man sollte, bevor man die wenigen Treppen in das kleine Areal hinuntersteigt, erst mal stehen bleiben, um einen Überblick zu bekommen und alles auf sich wirken zu lassen.
Da steht auf dem Podest ganz nüchtern eine 650er Honda Revere, einst wegen ihrer Anspruchslosigkeit bei den englischen Eilzustellern beliebt, neben einem Schnittmodell der V-4 Legende RC 45. Die NR 750 stellt extremste Hochtechnik wie ovale Kolben, 8 Titanpleuel und 32 Ventile im V4-Zylinder Motor dar, was natürlich mit einem exorbitanten Preis zu bezahlen war.
Und obwohl der Firmengründer Soichiro Honda Zweitaktmotoren eher kritisch gegenüberstand, belegen die RS 125 R von Dirk Raudies, die NSR 500 von Eddie Lawson und die RS 250 R von Helmut Bradl, dass eben die WM-Titel zu der Zeit nicht mit Viertaktern eingefahren werden konnten.
Das war Kawasaki schon vorher klar und so steht die grün-weiße KR 250 für insgesamt 8 WM-Titel, unter anderem von Toni Mang. Auch Suzuki setzte auf die ventillose Motorentechnik und brachte sogar bei der TT auf der Isle of Man die RGC 500 unter Graeme Crosby zum Einsatz. Die Erfolge der GS 1000 auf dem gleichen Kurs in der irischen See wurden konsequent in der über 100 PS starken 1100er der GSX Reihe umgesetzt. Die legendäre Yamaha XT 500, die man unter dem verlängerten Rücken von Fernreisenden in fast allen Teilen der Welt antraf, wird ebenfalls gewürdigt und das fast Reifen an Reifen mit dem XV 1000 SE Midnight Special Chopper.
Also ruhig mal mit einem Blick auf die Homepage Appetit holen und auch wenn die Ausstellung noch bis ins Frühjahr 2027 läuft, unbedingt fest einen Besuch einplanen. Der dazu erschienene Katalog gehört sowieso in jedes Bücherregal.
Zitate von (abschätzigen) Meinungen der Macher bei Firmen wie BMW und Triumph zu den japanischen Konkurrenten muss an sich auf der Zunge zergehen lassen und schon fallen einem Parallelen zur neuen Invasion von chinesischen Zweirädern ein.
Nähere Infos unter www.demomu.de
|