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Am 21. und 22. März 2026 fand in Kassel wieder die Technorama statt und bildete einen der ersten Treffpunkte der Szene.
Bereits vor offizieller Öffnung haben sich kleine Schlangen vor den Tickethäuschen gebildet. Die strahlende Sonne bemüht sich, die noch frischen Temperaturen angenehmer zu machen, denn schließlich haben sich trotz der hohen Spritpreise Oldtimerfreunde aus Nah und Fern auf den Weg zur Veranstaltung gemacht. Jens Güttinger, der mit seinem Team die drei diesjährigen Technorama-Veranstaltungen organisiert, ist jetzt, nur Minuten vor der offiziellen Eröffnung um 9:00 Uhr, sehr eingespannt. Es reicht nur zu einer kurzen Begrüßung, einer Verabredung zu einem späteren Gespräch, und schon ist er wieder verschwunden, um Mitarbeitern Anweisungen zu geben und auch selbst tatkräftig anzupacken. Schließlich werden wieder viele Besucher erwartet, und die sollen für die moderaten 15 Euro Eintritt auch ein störungsfreies Eventerlebnis bekommen.
In den Hallen haben sich Händler mit einem breit gefächerten Angebot positioniert. Bald wird mir von einem Lederpflegemittelverkäufer ein kostenloser Hochglanzputz meiner Schuhe angeboten. Sicher täte es dem Leder gut, wenn der Staub des Parkplatzes entfernt würde, doch ich muss dankend ablehnen, denn mich interessiert das vielfältige Angebot an Neu- und Gebrauchtteilen doch mehr. Es findet sich von Vorkriegsteilen bis zu den 90er-Jahren alles, was das Herz begehrt: Gebrauchtteile in den verschiedensten Zuständen, Nachfertigungen und auch manchmal Neuteile aus alter Fertigung oder – in Fachkreisen – sogenannte NOS-Teile.
Auch das Fahrzeugangebot ist weit gefächert: von einer Königswellen-Ducati 900 SS, die wie die legendäre 750 SS lackiert ist, bis zum Piaggio-Mofa, das erst noch viel Arbeit benötigt. Eine Honda CX 500 Custom, ein Zeitzeuge der Softchopper-Welle, die ab Ende der 70er-Jahre auch dem spießigen Verwaltungsbeamten das Gefühl verlieh, ein Rebell zu sein, ohne dabei wirklich so aufzufallen wie Fahrer von Harleys oder AME-Choppern, war bereits 30 Minuten nach Eröffnung der Messe verkauft. Der gut erhaltene Originallack und die angebauten Koffer wirkten gemeinsam mit dem moderaten Preis von 1.850 Euro wohl sehr überzeugend.
Nach dem Abgehen der verschiedenen Händlerstände geht es dann zu den Ausstellungshallen, in denen sich Markenclubs und andere Motorradclubs sehr viel Mühe gegeben haben, ihre Schätze dem Publikum zu präsentieren. Traditionell stark vertreten in Kassel ist die Kawasaki-Fraktion. Der Z1-Club zeigt die legendären 900er und 1000er in verschiedenen Baujahren und Umbauten. An einem anderen Stand lassen die Kawasaki-Zweitakter die Herzen höherschlagen. Ich verweile eine Zeit lang am Nimbus-Stand und lausche andächtig, wie ein Clubmitglied einem Besucher aus Ostfriesland die Besonderheiten des Reihenvierzylinders mit Königswelle erklärt.
Natürlich gilt mein Hauptinteresse dem historischen Rennsport, und auch hier werde ich nicht enttäuscht. Eine Gruppe hessischer VFV-Mitglieder präsentiert ihre liebevoll aufgebauten und modifizierten Maschinen, mit denen sie in verschiedenen Klassen um Pokale kämpfen. Einige dieser Pokale stehen auf den entsprechenden Siegermaschinen. Die Besitzer und Fahrer erklären mit Engagement ihre Maschinen und die Regeln der verschiedenen Klassen der Deutschen Historischen Meisterschaft.
Zuletzt noch zum Stand des PS-Speichers, der mit wenigen Ausstellungsstücken natürlich nicht wirklich einen Eindruck von der gigantischen Ausstellung in Einbeck widerspiegeln kann. Dennoch sind die ausgestellten Motorräder und Autos durchaus geeignet, den Appetit auf einen Besuch des Museums zu wecken.
Mittlerweile hat sich der Betrieb auf der Technorama eingespielt, die Hallen haben sich mit Besuchern gefüllt, und Jens Güttinger entspannt sich mit seiner Frau Michaela bei einer Tasse Kaffee.
Schon in seiner Jugend besuchte Güttinger die Technorama regelmäßig, um nach Ersatzteilen für seine Mopeds zu suchen. Als sich später die Gelegenheit bot, die Organisation der langjährigen Messe zu übernehmen, hat der erfahrene Messeveranstalter nicht gezögert.
Auf der Technorama in Kassel suchen regelmäßig circa 15.000 Besucher nach Teilen oder Fahrzeugen, und auch 2026 wird diese Zahl erwartet. Die vielen Besucher, die sich heute in den Hallen befinden, scheinen der Erwartung des Veranstalters gerecht zu werden.
Jens Güttinger kann keinen Schwund am Interesse an der Oldtimerszene feststellen. Die Fahrzeuge der 80er- und 90er-Jahre ergänzen das Angebot und bringen neue Fans mit, die den altersbedingten Schwund ausgleichen. Nach Kassel stehen noch Ulm und Hildesheim an. Für Hildesheim steht ein besonderes Highlight an: Auf einer abgesperrten Rennstrecke werden zwei- und vierrädrige Rennfahrzeuge den Fans in voller Aktion präsentiert.
Wenn Güttinger von dem Event erzählt, kann man seine Begeisterung in seinen Augen leuchten sehen – und von Menschen mit dieser Begeisterung lebt unsere Szene.
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