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Frau am Steuer – Ungeheuer?! Humorvolles Sachbuch beleuchtet die übersehene Rolle von Frauen in der Frühzeit der Motorisierung
Bevor Autofahren zur (schönsten) Nebensache des Alltags wurde, war Mobilität ein Abenteuer – staubig, laut und nicht selten gefährlich. Mitten in diesem Chaos saßen Frauen am Steuer. Nicht aus Versehen, nicht als Ausnahme, sondern ganz selbstverständlich. Nur erinnert sich heute kaum jemand daran. Das Buch „Fräulein Reuschel gibt Gas. Wie abenteuerlustige Frauen die frühe Motorwelt aufmischten“ holt diese vergessene Geschichte zurück auf die Straße – mit Fakten, Haltung und einer guten Portion Humor.
Zwischen 1870 und 1930 fuhren Frauen in Europa und den USA Rennen, testeten Motoren, reparierten Pannen und unternahmen lange Reisen, während ihnen gleichzeitig erklärt wurde, warum genau das eigentlich „nicht schicklich“ sei. Während „man“ noch Benimmregeln verteilte, brachte „frau“ der Motortechnik schon das Laufen bei, ausgerüstet mit Schraubenschlüssel, Wagenheber und einer bemerkenswerten Ignoranz gegenüber gut gemeinten Ratschlägen.
Zwischen Korsett und Karosserie
Das Buch porträtiert augenzwinkernd frühe Pionierinnen, Erfinderinnen, Unternehmerinnen und Rennfahrerinnen wie Bertha Benz, Marie Reuschel, Dorothy Levitt, Clärenore Stinnes, Camille du Gast, Alice H. Ramsey und Effie Hotchkiss. In kurzen, pointierten Episoden verbinden sich biografische Skizzen mit Technik- und Kulturgeschichte. Die Frauen schraubten, testeten und verbesserten Fahrzeuge, nahmen siegreich an Rennen teil, stellten Rekorde auf und wagten selbstständig Reisen, für die man heute ein Werksteam engagieren würde. Besonders unterhaltsam ist der Kontrast zwischen gesellschaftlichen Konventionen und gelebter Realität: Korsett, bodenlanger Rock und absurde Modevorschriften trafen auf Geschwindigkeit, Staub und überragende fahrerische Leistungen. Das erzeugt aus heutiger Sicht eine unfreiwillige Komik – und macht zugleich sichtbar, wie souverän sich diese Frauen über Hürden hinwegsetzten und technische Kompetenz wie auch Mobilität für sich beanspruchten.
Das Buch richtet sich an Frauen und Männer mit Interesse an Mobilitäts- und Technikgeschichte, an Oldtimer- und Youngtimer-Fans sowie an alle, die wissen möchten, warum Frauen in der Geschichte der Motorisierung lange übersehen wurden – obwohl sie längst unterwegs waren.
Über die Autorin: Dr. Sonja Ulrike Klug ist langjährige Unternehmenspublizistin und vielfache Buchautorin. Sie hat bisher rund 25 Bücher zu kulturhistorischen Themen veröffentlicht, darunter „Kathedrale des Kosmos“ und „Zauberer des Zirkels“, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Als begeisterte Youngtimer-Fahrerin verbindet sie in ihrem neuesten Buch historische Recherche mit erzählerischer Leichtigkeit und persönlicher Leidenschaft für Mobilität.
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