Neckarsulm. Im zweiten Teil der Sonderausstellungsreihe „Meister aller Klassen“ präsentiert das Deutsche Zweiradmuseum mit 24 exklusiven Exponaten Rennmythen aus der Zeit von 1930 bis 1960. In dieser Zeit lockte der Motorradrennsport Hundertausende an die Rennstrecken. Dabei handelte es sich meist um echte Straßenrennen, die auf öffentlichen Wegen über große Distanzen ausgetragen wurden. Gefordert waren dabei nicht nur die Fahrer sondern auch die Ingenieure der Motorradwerke, um im technischen Wettstreit mit einmaligen Innovationen erfolgreich zu sein.
Wiederum ist es den Ausstellungsmachern durch Auswahl der Maschinen und deren Präsentation anhand historischer Fotos und ansprechenden Begleittexten gelungen, Rennfeeling zu verbreiten und den Besucher in diese drei Jahrzehnte zurück zu versetzen. Die 1930er Jahre, geprägt als die Zeit, wo „das Rennmotorrad erwachsen wurde“, zeigen mit Werks- und Produktionsrennmaschinen von A.J.S., Rudge und Norton wie die englischen Konstruktionen zunehmend Konkurrenz vom Kontinent vom Schlage einer NSU 601 SS und DKW 350 SS erhielten.
Nach 1945 flammte die alte Begeisterung bei Rennfahrern und Zuschauern schnell wieder auf, wobei Deutschland vom internationalen Geschehen zunächst noch ausgeschlossen war und so national aus der Vorkriegszeit noch „aufgeladene“ Maschinen eingesetzt werden konnten und zu den legendären Duellen zwischen einem Heiner Fleischmann auf NSU und Georg Meier auf der BMW führten. Doch schnell meldeten sich die überlebenden deutschen Werke über die Landesgrenzen hinaus im Geschehen zurück.
Gerade für die Stadt Neckarsulm waren dann die Jahre 1953 und 1954 damit einmalig, fieberten doch die Menschen mit den NSU-Rennfahrern Werner Haas, Rupert Hollaus und H.P. Müller beim Kampf um die Weltmeisterschaft mit. Das passt zum diesjährigen Stadtjubiläum „1250 Jahre Neckarsulm“, da zur Rennmax und Rennfox die Konkurrenten von Horex, Benelli oder Parilla zu sehen sind. Dazu gesellen sich die Boliden der größeren Hubraumklassen, wobei hier mit der Einzylinder Norton Manx der Brückenschlag über die Zweizylinder Boxer BMW RS 54 zu den Vierzylinder-Rennern von MV Agusta oder Gilera führt.
Die Sonderausstellung ist noch bis Juni 2022 zu sehen und eine Visite lohnt sich auch für jeden, der schon mehrfach in den Räumen des ehemaligen Deutschordensschlosses weilte.
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